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Der Markt­wert von Moral

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Ann Sophie Henne

Der Jurist Prof. Dr. Kai‑D. Buss­mann und sei­ne Kol­le­gen Andre­as Schroth und Sebas­ti­an Oel­rich erfor­schen seit Jah­ren, wie sich Kor­rup­ti­on in der Wirt­schaft ver­hin­dern lässt. Mit einem neu­en Instru­ment wol­len sie nun die Unter­neh­mens­kul­tur ver­bes­sern. Dafür grün­den sie eine eige­ne Firma.

Es sind zwei der gro­ßen Skan­da­le, die in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit die deut­sche Wirt­schaft erschüt­ter­ten: die Abgas­af­fä­re um Volks­wa­gen und ande­re Auto­her­stel­ler und der Finanz­skan­dal des Zah­lungs­dienst­leis­ters Wire­card. Bei Volks­wa­gen waren Mani­pu­la­tio­nen von Abgas­wer­ten wohl jah­re­lang intern bekannt, ohne dass jemand etwas unter­nahm. Das deut­sche Unter­neh­men Wire­card hat im Juni Insol­venz ange­mel­det, nach­dem Bilan­zen offen­bar mas­siv gefälscht wur­den. Bei bei­den ver­tusch­ten ver­mut­lich meh­re­re Mit­ar­bei­ten­de die Machenschaften.

Doch wie lässt sich der­ar­ti­ge Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät ver­hin­dern? Das erfor­schen Prof. Dr. Kai-Det­lef Buss­mann, Inha­ber des Lehr­stuhls für Straf­recht und Kri­mi­no­lo­gie, und sei­ne Kol­le­gen, Sozio­lo­ge Andre­as Schroth und Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler Sebas­ti­an Oel­rich, seit Jah­ren. Auf Grund­la­ge ihrer Stu­di­en wol­len sie nun aus der Uni her­aus eine Fir­ma grün­den, die die Unter­neh­mens­kul­tur als ent­schei­den­den Fak­tor für Com­pli­an­ce in den Fokus rückt.

Com­pli­an­ce Manage­ment erst in den ver­gan­ge­nen fünf bis fünf­zehn Jah­ren popu­lär geworden

Com­pli­an­ce ist der betriebs­wirt­schaft­li­che Begriff dafür, dass Unter­neh­men Geset­ze, Richt­li­ni­en und auch eige­ne Kodi­zes ein­hal­ten. Laut Buss­mann ist das Com­pli­an­ce Manage­ment in den ver­gan­ge­nen zehn bis fünf­zehn Jah­ren popu­lär gewor­den. Ein Grund dafür: Seit eini­gen Jah­ren wer­de der Druck von staat­li­cher Sei­te erhöht, vor allem die USA haben ihre Anti-Kor­rup­ti­ons­ge­set­ze ver­schärft, ver­lan­gen dar­in auch den Nach­weis wirk­sa­mer Com­pli­an­ce-Maß­nah­men. Hin­zu kom­me ein star­ker Trans­pa­renz­druck durch inter­na­tio­na­le Rating­agen­tu­ren und Medi­en. „Fir­men machen das, weil es mitt­ler­wei­le erwar­tet wird“, sagt Buss­mann. Ein gro­ßes Unter­neh­men ohne „Com­pli­an­ce Manage­ment Sys­tem“ wir­ke ver­däch­tig, in Deutsch­land haben drei Vier­tel der Fir­men mit mehr als 500 Ange­stell­ten ein ent­spre­chen­des Pro­gramm. Mitt­ler­wei­le wer­de das auch als Wett­be­werbs­vor­teil gese­hen. „Wir haben es – ich glau­be auch welt­weit – geschafft, der Com­pli­an­ce-Idee markt­wirt­schaft­li­chen Wert zu geben“, so Bussmann.

 

Hier kommt die Unter­neh­mens­grün­dung ins Spiel. Im Rah­men zwei­er von der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft (DFG) geför­der­ten inter­na­tio­na­len Pro­jek­te zur kri­mi­nal­prä­ven­ti­ven Wir­kung von Anti-Kor­rup­ti­ons­pro­gram­men ent­wi­ckel­ten die For­scher ein Instru­ment, um zu ana­ly­sie­ren, wie die Com­pli­an­ce-Maß­nah­men in gro­ßen, inter­na­tio­na­len Unter­neh­men wir­ken. „Wir haben dafür einen web­ba­sier­ten Fra­ge­bo­gen ent­wi­ckelt, der in ver­schie­de­nen Län­dern und Kul­tu­ren funk­tio­niert und in meh­re­ren Spra­chen ange­bo­ten wird“, so Buss­mann. Ins­ge­samt wur­den über 6.000 Befra­gun­gen durch­ge­führt, neben Deutsch­land mit Schwer­punk­ten in Chi­na, Indi­en und Russland.

Die­se wis­sen­schaft­li­che Arbeit ist die Grund­la­ge für den „Com­pli­an­ce Cul­tu­re Scan“ (CCS) – so haben die Grün­der das Pro­dukt genannt, das sie über ihr geplan­tes Unter­neh­men anbie­ten wol­len. Das „Cul­tu­re“ im Namen ist bewusst gewählt, denn es geht dar­um, die Unter­neh­mens­kul­tur zu eva­lu­ie­ren. Haben Mit­ar­bei­ten­de das Gefühl, dass ihre Vor­ge­setz­ten sich regel­kon­form ver­hal­ten? Mel­den sie Regel­ver­stö­ße? Sind soge­nann­te Whist­leb­lower vor nega­ti­ven Fol­gen geschützt? „Die Unter­neh­mens­kul­tur ist ein zen­tra­ler Bau­stein für eine gute Com­pli­an­ce-Arbeit“, sagt Buss­mann, das hät­ten bereits die bei­den Stu­di­en aus den DFG-Pro­jek­ten erwie­sen. Sie wer­de aber bei bis­he­ri­gen Eva­lua­tio­nen und Zer­ti­fi­zie­run­gen kaum sys­te­ma­tisch unter­sucht, obwohl das eigent­lich vor­ge­schrie­ben sei.

„Inter­na­tio­na­len Richt­li­ni­en zufol­ge muss die Unter­neh­mens­kul­tur bei der Abschluss­prü­fung von Unter­neh­men berück­sich­tigt wer­den“, sagt Sebas­ti­an Oel­rich. Häu­fig wür­den nur weni­ge Vor-Ort-Inter­views geführt. Mit dem CCS wird hin­ge­gen eine gro­ße Stich­pro­be der Beschäf­tig­ten anonym befragt. Die For­scher bie­ten dafür ein kom­plet­tes Soft­ware­pa­ket an, mit wel­chem Fra­ge­bö­gen indi­vi­du­ell ver­schickt und aus­ge­wer­tet, aber auch ein­fach ange­passt wer­den kön­nen.
Mit dem CCS las­sen sich laut Buss­mann so auch wei­te­re Unter­neh­mens­zie­le wie die Feh­ler­kul­tur oder der Umgang mit Mob­bing und Dis­kri­mi­nie­run­gen unter­su­chen. „Die Mess­in­stru­men­te wol­len wir Unter­neh­men zur Ver­fü­gung stel­len, die ganz bewusst an ihrer Unter­neh­mens­kul­tur arbei­ten wol­len, um Straf­ta­ten und Fehl­ver­hal­ten zu verhindern.“

Das Team befin­det sich der­zeit in der För­der­pha­se, die eigent­li­che Grün­dung soll ab Sep­tem­ber 2021 erfol­gen. Zur­zeit ana­ly­sie­ren Buss­mann, Schroth und Oel­rich das Markt­po­ten­zi­al und ver­su­chen, mög­li­che Koope­ra­ti­ons­part­ner zu gewin­nen. Dabei wer­den sie vom Trans­fer- und Grün­der­ser­vice der Uni unter­stützt. Das Pro­jekt wird durch das Land Sach­sen-Anhalt im Rah­men des „ego.-Gründungstransfer“ aus dem Euro­päi­schen Fonds für regio­na­le Ent­wick­lung geför­dert.
„Damit blei­ben wir erst ein­mal unab­hän­gig von pri­va­ten Risi­ko­ka­pi­tal­ge­bern“, so Buss­mann. Für ihn sei das die Fort­set­zung eines wis­sen­schaft­li­chen Pro­jekts. „Ich habe ein­fach einen, sagen wir, Mis­sio­nars­geist, als Pro­fes­sor und nun auch als Unter­neh­mer.“ Der 65-Jäh­ri­ge hat sei­nen Ruhe­stand bereits nach hin­ten ver­scho­ben. Mit der geplan­ten Unter­neh­mens­grün­dung wol­le er wei­ter sei­nen Bei­trag für den Wirt­schafts­stand­ort Deutsch­land leis­ten, so Buss­mann. „Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät ist Sand im Getrie­be der Markt­wirt­schaft.“ Nicht zuletzt sei ihm auch der Wirt­schafts­raum Halle/Leipzig wich­tig. „Wir hof­fen, neue Arbeits­plät­ze schaf­fen zu können.“ 

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