Eine vom BMBF in Auf­trag gege­be­ne Stu­die der TIB Han­no­ver hat die Wir­kung von Open Access unter­sucht. Das Ergeb­nis: Das Publi­zie­ren im Open Access-Ver­fah­ren bie­tet haupt­säch­lich Vor­tei­le und weni­ger Nach­tei­le als befürch­tet. Der Wis­sens­trans­fer in die Gesell­schaft wer­de dabei signi­fi­kant verstärkt.

„Seit mehr als zwei Jahr­zehn­ten ist es ein erklär­tes Ziel inner­halb der Wis­sen­schaft, For­schungs­er­geb­nis­se und wis­sen­schaft­li­che Infor­ma­tio­nen unent­gelt­lich und unbe­schränkt im Sin­ne von Open Access digi­tal nutz­bar zu machen. Die damit ver­bun­de­ne Trans­for­ma­ti­on zu Open Access hat bis heu­te das Wis­sen­schafts- und Publi­ka­ti­ons­sys­tems bereits spür­bar ver­än­dert.“ So steht es auf der Web­sei­te des BMBF, das seit 2016 mit sei­ner Open-Access-Stra­te­gie anstrebt, alle Ergeb­nis­se von öffent­lich geför­der­ten For­schungs­pro­jek­ten frei zugäng­lich zu machen.

Um eine Basis auch für Ent­schei­dun­gen in Wis­sen­schaft und Poli­tik zu schaf­fen, Vor­tei­le zu bele­gen und Vor­ur­tei­le zu ent­kräf­ten, hat das BMBF eine ver­glei­chen­de Stu­die zur Wir­kung von Open Access in Auf­trag gege­ben. Die Tech­ni­sche Infor­ma­ti­ons­bi­blio­thek (TIB) in Han­no­ver hat die Lite­ra­tur­stu­die durch­ge­führt und dafür Stu­di­en­ergeb­nis­se aus dem Zeit­raum 2010 bis 2021 analysiert.

Die Ergeb­nis­se zei­gen: Vie­le Vor­tei­le von Open Access kön­nen beim jet­zi­gen For­schungs­stand als empi­risch belegt bewer­tet wer­den. So füh­re der freie Zugang zu wis­sen­schaft­li­chen Publi­ka­tio­nen zu einem stär­ke­ren Abru­fen der Erkennt­nis­se, einem beruf­lich und geo­gra­fisch diver­se­ren Publi­kum sowie einer erhöh­ten Publikumsgeschwindigkeit.

Auch der Wis­sens­trans­fer in die Gesell­schaft wer­de durch Open Access signi­fi­kant ver­stärkt, so die Autor*innen. Dies erge­be sich aus der signi­fi­kant erhöh­te Anzahl von Ver­wei­sen aus dem nicht-wis­sen­schaft­li­chen Bereich – bei­spiels­wei­se sol­che in Paten­ten, Nach­rich­ten und gericht­li­chen Dokumenten.

Nicht hin­rei­chend belegt bleibt hin­ge­gen bis­lang, ob Open Access ins­ge­samt zu mehr Publi­ka­tio­nen führt und ob es einen Zita­ti­ons­vor­teil für Open-Access-Publi­ka­tio­nen gibt. Für letz­te­ren habe es zwar eine posi­ti­ve Indi­zi­en­la­ge gege­ben, den­noch las­se sich der Zitat­vor­teil (noch) nicht ein­deu­tig quan­ti­ta­tiv empi­risch bestä­ti­gen. Grund dafür könn­ten laut den Autor*innen metho­di­sche Schwie­rig­kei­ten sein.

Eini­ge Vor­be­hal­te wegen ver­mu­te­ter nega­ti­ver Wir­kun­gen von Open Access konn­ten in der Stu­die dage­gen ent­kräf­tet wer­den. So sei dem­nach belegt wor­den, dass Open Access nicht zu einer gerin­ge­ren Qua­li­tät von Publi­ka­tio­nen oder zu Nach­tei­len beim Ver­kauf von Druck­aus­ga­ben führen.

Die Ergeb­nis­se der Stu­die „Wir­kun­gen von Open Access: Lite­ra­tur­stu­die über empi­ri­sche Arbei­ten 2010–2021“ wur­den Ende April 2022 vor­ge­stellt und die Stu­die zum Down­load direkt im Open Access ver­füg­bar. Hier geht es zum Originalartikel. 

Bei­trags­bild Design: © Niklas Gün­ther via Canva(.)com

Fünf Fra­gen, fünf Ant­wor­ten. Die Inter­view-Rei­he aus der WTT-Com­mu­ni­ty. IQIB (Insti­tut für qua­li­fi­zie­ren­de Inno­va­ti­ons­for­schung & ‑bera­tung) fragt nach bei Praktiker*innen aus dem WTT. Leben­di­ge Berich­te über Trans­fer­pro­jek­te und Les­sons Learned. 

Inter­view mit Nele Dage­för­de, CEO am Trans­Mar­Tech, Kiel

 

 

FRAGE 1

IQIB: Wel­ches Trans­fer­vor­ha­ben möch­ten Sie vorstellen?

 

Nele Dage­för­de: Ich möch­te die Trans­Mar­Tech GmbH (TMT), das Trans­fer­zen­trum für mari­ti­me Tech­no­lo­gien in Schles­wig-Hol­stein, vor­stel­len. Wir sehen uns in unse­rer Rol­le nicht als klas­si­sches Trans­fer­zen­trum, son­dern neh­men als Schnitt­stel­le zwi­schen den Insti­tu­tio­nen der Wis­sen­schaft und der mari­ti­men Wirt­schaft eine Son­der­rol­le ein. Das ist ein sehr span­nen­des Tätigkeitsfeld.

Ent­stan­den ist das TMT im Okto­ber 2020. Als ich die Geschäfts­füh­rung über­nom­men habe, stan­den wir noch ganz am Anfang. Es gab einen vor­läu­fi­gen Maß­nah­men­be­ginn im Rah­men der Pro­jekt­för­de­rung. Aber das Zen­trum befand sich zu dem Zeit­punkt noch im Aus­bau. Die Räu­me waren nicht fer­tig­ge­stellt: blan­ker Fuß­bo­den, frei lie­gen­des Mau­er­werk und über­all lagen Kabel. Das fiel zu die­sem Zeit­punkt aller­dings nicht wei­ter ins Gewicht, da auf­grund der Coro­na-Beschrän­kun­gen alle Ver­an­stal­tun­gen zunächst rein digi­tal stattfanden.

Die Initia­ti­ve zur Grün­dung des TMT ging  ursprüng­lich vom Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um, mit dem Ziel, die Wert­schöp­fungs­ket­te der mari­ti­men Wirt­schaft durch Tech­no­lo­gie­trans­fer zu ver­bes­sern, aus. Unser Gesell­schaf­ter­kreis ist hete­ro­gen, bestehend aus drei Indus­trie- und Han­dels­kam­mern Schles­wig-Hol­steins, der Kie­ler Wirt­schafts­för­de­rung und zwei Ver­ei­nen, jeweils einer aus Wis­sen­schaft und Wirtschaft.

Die regio­na­len Vor­aus­set­zun­gen für unse­re Arbeit sind opti­mal: In Schles­wig-Hol­stein sind gleich zwei mari­ne Insti­tu­te von Welt­ruf ange­sie­delt, das GEOMAR (Helm­holtz-Zen­trum für Oze­an­for­schung) in Kiel und das Here­on Helm­holtz-Zen­trum Geest­hacht. Zudem ver­fügt das Bun­des­land über eine sehr gut auf­ge­stell­te Hoch­schul­land­schaft: von der Hoch­schu­le Flens­burg, mit ihrem mari­ti­men Zen­trum, bis hin zur CAU (Chris­ti­an-Albrechts-Uni­ver­si­tät zu Kiel), der Fach­hoch­schu­le Kiel, der Tech­ni­schen Hoch­schu­le in Lübeck und der Fach­hoch­schu­le West­küs­te. Mit fast allen an die­sen Insti­tu­tio­nen vor­han­de­nen Tech­no­lo­gie­trans­fer­be­auf­trag­ten arbei­ten wir bereits zusammen.

Für die Zukunft sehen wir sehr gute Anknüp­fungs­punk­te für Tech­no­lo­gie­trans­fer in soge­nann­ten „grü­nen The­men“. Der­zeit fin­det die Wert­schöp­fung der mari­ti­men Wirt­schaft im Schiff­bau, im Bereich der Mobi­li­tät, Logis­tik, in den Ree­de­rei­en und Zulie­fe­rer-Unter­neh­men statt. In die­sen Berei­chen arbei­ten rund 200.000 Beschäf­tig­te in Schles­wig-Hol­stein und es wird eine jähr­li­che Wert­schöp­fung von unge­fähr zwölf Mil­li­ar­den Euro erwirt­schaf­tet. Aktu­ell hat Deutsch­land dort noch eine Vor­rei­ter­rol­le. Der Tech­no­lo­gie­vor­sprung gegen­über Asi­en beträgt im Schiff­bau etwa zwei­ein­halb Jah­re, ver­rin­gert sich aber ste­tig. Des­we­gen müs­sen wir uns damit aus­ein­an­der­set­zen, wie wir die mari­ti­me Bran­che fit für die Zukunft bekommen.

Als Betriebs­wir­tin habe ich immer auch die Markt- und Kun­den­per­spek­ti­ve im Blick. Bei einer Ana­ly­se des Markt­po­ten­ti­als konn­ten wir fest­stel­len, dass es in der mari­nen Grund­la­gen­for­schung vor­wie­gend um die The­men Nah­rungs­mit­tel, Mee­res­ver­schmut­zung, Mee­res­spie­gel­an­stieg und Bio­in­tel­li­genz geht. Die­se Schwer­punk­te betrach­ten wir nun in Bezug auf mög­li­chen Tech­no­lo­gie­trans­fer inten­siv. In die­sen soge­nann­ten „grü­nen und blau­en The­men“ sehen wir erheb­li­ches Poten­ti­al zur Ver­bes­se­rung der Wert­schöp­fungs­ket­te mari­ti­mer Wirtschaft.

 

 

FRAGE 2

IQIB: Wel­che Ziel­set­zung hat das Vorhaben?

 

Nele Dage­för­de: Wir sehen unse­re Rol­le u.a. als Impuls­ge­ber und Chan­ge­ma­ker. Dabei ent­wi­ckeln wir selbst Ideen für Geschäfts­mo­del­le auf Basis der vor­lie­gen­den wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­ge. Auf Basis des Modells zie­hen wir dann das Netz­werk aus Wis­sen­schaft und Wirt­schaft an Bord. Unse­re Auf­ga­be liegt dar­in, die unter­schied­li­chen Bedürf­nis­se von Unter­neh­men und wis­sen­schaft­li­chen Akteu­ren auf­ein­an­der abzu­stim­men. Das ver­langt viel Ein­satz, da die Her­an­ge­hens­wei­sen in die­sen Berei­chen sehr unter­schied­lich sind. Grund­sätz­lich fokus­sie­ren wir uns beim Tech­no­lo­gie­trans­fer auf die spä­te Pha­se des Tech­no­lo­gy-Rea­dy­ness-Levels. Der Tech­no­lo­gie­trans­fer-Pro­zess selbst voll­zieht sich dann direkt in den Unter­neh­men oder an den Insti­tu­ten, dar­in sind wir nicht direkt eingebunden.

Für neue Impul­se und Ände­run­gen braucht es eben­so Raum und Men­schen, die den Wan­del ermög­li­chen: Daher ist unser Port­fo­lio auf drei Säu­len auf­ge­teilt: „Dock“, „Hub“ und „Inku­ba­tor“. Das „Dock“ ist bei uns die zen­tra­le Anlauf­stel­le, das Raum­an­ge­bot. Dort kön­nen sich Per­so­nen aus Wis­sen­schaft und Wirt­schaft zum Co-Working tref­fen oder sich ein­bu­chen und die Arbeits­wei­se von TMT „inha­lie­ren“ und für sich mit­neh­men. Hier fin­den zudem Work­shops und Ver­an­stal­tun­gen statt, die wir unter ande­rem in Koope­ra­ti­on mit ande­ren Insti­tu­ten, Initia­ti­ven und Trans­fer­vor­ha­ben pla­nen und ver­netzt auf­set­zen. Uns ist es wich­tig, dass wir kei­ne wei­te­re Par­al­lel­struk­tur am Trans­fer­markt sind. Wir set­zen auf Syn­er­gie­ef­fek­te der bestehen­den Struk­tu­ren, wir set­zen stark auf Zusam­men­ar­beit. Wir ver­mei­den es die Ell­bo­gen aus­zu­fah­ren und zu prü­fen, wo sich der nächs­te För­der­topf fin­det. Die zwei­te Säu­le ist unser Netz­werk; wobei wir Wert dar­auf legen, dass es ein akti­ves Netz­werk ist. Wir ver­su­chen, eng am Pro­jekt­be­darf zu arbei­ten und kurz­fris­tig und mit Tem­po los­zu­le­gen – also nicht erst nach einem hal­ben Jahr.

Der Schwer­punkt unse­rer Arbeit im TMT liegt aber ganz klar auf dem drit­ten Bereich: dem „Inku­ba­tor“. Hier prü­fen wir, ob hin­ter einer Idee auch ein poten­ti­el­les Geschäfts­mo­dell steckt und was das jewei­li­ge Inno­va­tions- oder Tech­no­lo­gie­vor­ha­ben noch benö­tigt, um wei­ter­wach­sen zu kön­nen. Das kön­nen ganz unter­schied­li­che Aspek­te sein: Eini­ge Pro­jek­te sind schon so weit, dass man sie an ein Grün­dungs­zen­trum abge­ben muss, bei ande­ren steht erst noch Grund­la­gen­ar­beit an; wie­der ande­re benö­ti­gen viel­leicht nur noch zusätz­li­che Pro­jekt­part­ner. Fall­wei­se schrei­ben wir auch Pro­jekt­an­trä­ge mit – zum Bei­spiel, wenn wir über­zeugt sind, dass sich rela­tiv schnell ein Geschäfts­mo­dell rea­li­sie­ren lässt.

Hin­ter die­sen drei Säu­len steht eine Digi­ta­le Com­mu­ni­ty, die wir über unse­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­form „Rocket.Chat“ auf­ge­baut haben. Jeder, der inter­es­siert ist, kann an The­men mit­ar­bei­ten – so lan­ge, bis es in ein Clo­sed-Shop-Ver­fah­ren über­geht. So sind wir mitt­ler­wei­le eine Art Hybrid­zen­trum. Alle Ange­bo­te vor Ort sind auch digi­tal verfügbar.

Ver­gan­ge­nes Jahr haben wir zudem einen Hacka­thon ver­an­stal­tet. Zwei Pro­jek­te dar­aus befin­den sich nun im Clo­sed Shop-Sta­tus. Zudem ist ein Start-up ent­stan­den, das sich mit See­gras als Dämm­ma­te­ri­al beschäf­tigt. Das Pro­jekt ist jetzt in den Grün­dungs­zen­tren in Schles­wig-Hol­stein ange­sie­delt, weil wir am TMT gese­hen haben, dass der Fokus initi­al nicht auf der Tech­no­lo­gie­ent­wick­lung liegt. Die­ses Team benö­tigt erst ein­mal Seed-Invest. Dies ist ein sehr posi­ti­ves Bei­spiel dafür, wie auch die Zusam­men­ar­beit mit ande­ren Zen­tren und Pro­jek­ten gelin­gen kann.

Aus dem Hacka­thon her­vor­ge­gan­gen ist auch ein wei­te­res viel­ver­spre­chen­des Trans­fer­pro­jekt, in dem wir den Ansatz der Kreis­lauf­wirt­schaft auf Basis von See­gras­wie­sen als CO₂ Sen­ke ver­fol­gen. Hier loten wir der­zeit die Finan­zie­rungs­op­tio­nen aus.

 

 

FRAGE 3

IQIB: Wel­che ist Ihre Rol­le im Vorhaben?

 

Nele Dage­för­de: Als Geschäfts­füh­re­rin des TMT bin ich für die Stra­te­gie und den Auf­bau des Zen­trums zustän­dig. Netz­wer­ken gehört selbst­ver­ständ­lich mit dazu. Zudem ste­he ich im Aus­tausch mit den Tech­no­lo­gie­trans­fer­be­auf­trag­ten an Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen in Schles­wig-Hol­stein und ver­su­che, in die Zusam­men­ar­beit zu kom­men, indem ich fra­ge: Wel­che der auf wis­sen­schaft­li­cher Basis erkann­ten Her­aus­for­de­run­gen kön­nen wir gemein­sam lösen und wie könn­ten aus wis­sen­schaft­li­cher Sicht Lösun­gen aus­se­hen? Gleich­zei­tig bin ich auch bei ope­ra­ti­ven The­men aktiv, denn: Wir sind am TMT ein agi­les Team.

 

 

FRAGE 4

IQIB: Wel­che Chan­cen und Hemm­nis­se sehen Sie?

 

Nele Dage­för­de: Eine gro­ße Chan­ce liegt in unse­rer Regio­na­li­tät. Schles­wig-Hol­stein ist ein klei­nes Bun­des­land und dort kennt man über zwei Ecken wirk­lich ziem­lich schnell jeden. Netz­wer­ke las­sen sich dadurch leicht auf­bau­en und Bezie­hungs­ar­beit kann her­vor­ra­gend gestal­tet werden.

Als Hemm­nis kann man sicher­lich die feh­len­de Finan­zie­rungs­struk­tur bezeich­nen. Das, was SPRIN‑D momen­tan auf Bun­des­ebe­ne leis­tet, müss­te es noch ein­mal mit einem regio­na­len Aspekt geben. Momen­tan ist es so, dass vie­le Tech­no­lo­gie­pro­jek­te mit irgend­ei­ner Art von Dritt­mit­teln zwi­schen­fi­nan­ziert wer­den. Die damit ver­bun­de­ne Admi­nis­tra­ti­on bremst aller­dings vie­les aus. Wir spü­ren das auch am eige­nen Leib: Das TMT ist bis Mit­te 2023 mit EFRE-Mit­teln (Euro­päi­scher Fonds für regio­na­le Ent­wick­lung – EFRE) geför­dert und das nimmt not­wen­di­gen Akti­vi­tä­ten zum Teil ordent­lich Tem­po raus. Unter­neh­mer­tum und För­der­pro­jekt sind zwei Paar Schu­he. Das ist manch­mal ein ech­ter Drahtseilakt.

Was wir drin­gend benö­ti­gen, ist ein Büro­kra­tie-Abbau bei För­der­mit­teln. Gera­de für klei­ne und mitt­le­re Unter­neh­men (KMU) ist ein Über­maß an Admi­nis­tra­ti­on abschre­ckend. In der mari­ti­men Wirt­schaft in Schles­wig-Hol­stein sind über 70 Pro­zent der Unter­neh­men KMUs mit weni­ger als zehn Mit­ar­bei­tern. Vie­le Betrie­be kön­nen es sich ein­fach nicht leis­ten, für den Pro­jekt­start – wäh­rend­des­sen die Finan­zie­rung in der Regel noch nicht steht – eine Per­son abzustellen.

 

 

FRAGE 5

IQIB: Wel­che Les­sons Lear­ned gibt es aus Ihrer Sicht?

Nele Dage­för­de: Wir haben immer wie­der Les­sons Lear­ned, da wir alle drei Mona­te eine Retro­spek­ti­ve durch­füh­ren und den Busi­ness Can­vas des TMT auch ite­ra­tiv wei­ter­ent­wi­ckeln. Die wesent­li­che Erkennt­nis für das ers­te Jahr unse­res Bestehens ist, dass Tech­no­lo­gie­trans­fer enorm viel Bezie­hungs­ar­beit ist. Zusätz­lich sind für uns die wich­tigs­ten Fra­ge­stel­lun­gen zu Beginn eines Pro­jekts: Wel­ches Pro­blem wird eigent­lich durch das Trans­fer­vor­ha­ben kon­kret gelöst? Wel­chen öko­no­mi­schen und öko­lo­gi­schen Mehr­wert bringt das? Oder geht es letzt­lich nur dar­um, sich ein Pro­jekt zurecht zuschrei­ben, weil es einen „För­der­topf“ gibt?

Eben­so haben wir fest­ge­stellt, dass der Grün­der­geist von Wissenschaftler:innen gele­gent­lich über­schätzt wird. Daher wäre es oft­mals hilf­reich, über einen unter­neh­me­ri­schen Coun­ter­part zu ver­fü­gen, der/die die Geschäfts­füh­rung bei einer Aus­grün­dung über­nimmt. Eine neue Idee wür­de also durch einen Co-Foun­der ver­mark­tet. Als Bei­spiel für solch ein Vor­ge­hen könn­te man das Modul Helm­holtz Enter­pri­se Plus aus dem inter­nen Helm­holtz Enter­pri­se Pro­gramm für Aus­grün­dun­gen nen­nen, das eine sol­che Finan­zie­rung in der Ver­gan­gen­heit ermög­licht hat, inzwi­schen aber lei­der nicht mehr ver­füg­bar ist.

 

Möch­ten Sie jeman­den für die Inter­view-Rei­he vor­schla­gen oder selbst über ein Pro­jekt berich­ten? Dann schrei­ben Sie eine E‑Mail an Redaktion@fokustransfer.

Bei­trags­bild: Nele Dage­för­de, CEO am Trans­Mar­Tech, Kiel – © Joseph Heicks

Das Ver­bund­pro­jekt move.mORe der Hoch­schu­len Karls­ru­he und Offen­burg wird zum Aus­bau des Tech­no­lo­gie­trans­fers von der Bund-Län­der-Initia­ti­ve „Inno­va­ti­ve Hoch­schu­le“ gefördert 

In der zwei­ten För­der­run­de der Bund-Län­der-Initia­ti­ve „Inno­va­ti­ve Hoch­schu­le“ haben die Hoch­schu­le Karls­ru­he (Die HKA) und die Hoch­schu­le Offen­burg den Zuschlag für ihr gemein­sa­mes Ver­bund­pro­jekt „Nach­hal­ti­ge Mobi­li­tät in der Ober­rhein­re­gi­on – move.mORe“ erhal­ten. Das auf fünf Jah­re ange­leg­te Pro­jekt mit einem Antrags­vo­lu­men von inge­samt 14,8 Mil­lio­nen Euro ver­folgt das Ziel, über einen for­schungs­ba­sier­ten Wis­sens- und Tech­no­lo­gie­trans­fer Lösun­gen für die nach­hal­ti­ge Mobi­li­tät von Men­schen und Waren und zur Ener­gie­wen­de in der Regi­on Ober­rhein – vor allem im länd­li­chen Raum – zu erar­bei­ten und regio­nal­spe­zi­fisch zu imple­men­tie­ren. Mit dem Bewusst­sein, dass eine Mobi­li­täts- und Ener­gie­wen­de nur als „Mit­mach-Akti­on“ von Zivil­ge­sell­schaft, Wirt­schaft, öffent­li­chem Sek­tor und Wis­sen­schaft mög­lich ist, sol­len bei der Umset­zung vor allem die Par­ti­zi­pa­ti­on der Betei­lig­ten und der gesell­schaft­li­che Dia­log im Mit­tel­punkt stehen.

Die von bei­den Hoch­schu­len und deren Part­nern getra­ge­ne Visi­on „Nach­hal­ti­ge Mobi­li­tät 2030+“ fokus­siert dabei auf die Ver­kür­zung oder Ver­mei­dung von Wegen zur Arbeit oder zur täg­li­chen Ver­sor­gung sowie auf die Nut­zung effi­zi­en­ter und emis­si­ons­frei­er Mobi­li­tät wie Fuß­ver­kehr, E‑Bikes, ÖPNV oder Sharing-Ange­bo­te. Die bedarfs­ge­rech­te Ener­gie­ver­sor­gung mit lokal zur Ver­fü­gung ste­hen­den rege­ne­ra­ti­ven Ener­gien für die Mobi­li­tät von Per­so­nen und Waren wer­den eben­so im Mit­tel­punkt des Pro­jekts ste­hen wie mul­ti­moda­le regio­na­le Logis­tik­kon­zep­te für den Güter­trans­port und agi­le, daten­ba­sier­te Ver­kehrs­pla­nung und digi­ta­le Diens­te für die Benutzer.

Die Pro­jekt­ko­or­di­na­ti­on für move.mORe ist an der HKA ange­sie­delt. Die HKA wird ihre Kom­pe­ten­zen im Bereich der Mobi­li­tät über die Insti­tu­te für Ver­kehr und Infra­struk­tur (IVI) und für Ener­gie­ef­fi­zi­en­te Mobi­li­tät (IEEM) sowie über das bei ihr ange­sie­del­te Baden-Würt­tem­berg Insti­tut für Nach­hal­te Mobi­li­tät (BWIM) in das Pro­jekt ein­brin­gen. Sei­tens der Hoch­schu­le Offen­bach ist vor­ran­gig das Insti­tut für Nach­hal­ti­ge Ener­gie­sys­te­me (INES) mit dem Regio­na­len Inno­va­ti­ons­zen­trum für Ener­gie­tech­nik (RIZ) an der Umset­zung des Pro­jekts betei­ligt. Koope­ra­ti­ons­part­ner des Vor­ha­bens sind der Land­kreis Ras­tatt, die Städ­te Ras­tatt, Lahr, Offen­burg, Gen­gen­bach, die Gemein­de Bai­ers­bronn sowie das Akti­ons­bünd­nis Tech­no­lo­gie­Re­gi­on Karlsruhe.

Das Vor­ha­ben move.mORe beinhal­tet zah­rei­che Umset­zungs­pro­jek­te. Eines davon ist „Regi­on der kur­zen Wege“ mit den Koope­ra­ti­ons­part­nern Stadt Lahr, Land­kreis Ras­tatt, Stadt Ras­tatt, Stadt Offen­burg, Stadt Gen­gen­bach, Gemein­de Bai­ers­bronn und dem Bera­tungs­un­ter­neh­men Tra­pi­co. Hier wer­den Kon­zep­te erar­bei­tet, um die Aus­wahl der Ver­kehrs­mit­tel zuguns­ten von Rad- und Fuß­ver­kehr zu ver­schie­ben. Gemein­schaft­lich sol­len Struk­tu­ren und Pro­zes­se geschaf­fen wer­den, die eine dau­er­haf­te Umge­stal­tung der Sied­lungs­struk­tu­ren im Sin­ne einer „Regi­on der kur­zen Wege“ gewähr­leis­ten. Die Kom­mu­nen sol­len befä­higt wer­den, die­se Aus­wahl der Ver­kehrs­mit­tel und die Ver­kehrs­leis­tung als wich­ti­ges Steue­rungs­ele­ment in ihre Pla­nun­gen ein­zu­be­zie­hen. Zudem soll die Bevöl­ke­rung an der Erar­bei­tung von Kon­zep­ten für wohn­ort­na­hes Arbei­ten und die Ver­sor­gung sowie deren Erpro­bung bei­spielsei­se über Real­la­bo­re betei­ligt werden.

Ein wei­ters Bei­spiel für ein Umset­zungs­pro­jekt ist das Real­la­bor „15-Minu­ten-Land“. Es befasst sich mit der Pro­ble­ma­tik der sich ste­tig redu­zie­ren­den Ver­sor­gungs­an­ge­bo­te auf dem Land und der damit ver­bun­de­nen Zunah­me von Ver­kehrs­leis­tung mit dem Auto. Das „15-Minu­ten-Land“ legt den Fokus auf die Pend­ler­we­ge. Ein Netz­werk­ma­na­ger erfasst Nut­zungs­be­dar­fe sowie Dienst­leis­tungs- und Waren­an­ge­bo­te gemein­sam mit den Akteu­ren vor Ort und eru­iert Syn­er­gien mit ande­ren Nut­zun­gen. Neue Kon­zep­te für ein „15-Minu­ten-Land“ sol­len zusam­men mit min­des­tens einer der Part­ner­ge­mein­den erar­bei­tet, imple­men­tiert und mit den Akteu­ren vor Ort wei­ter­ent­wi­ckelt werden.

„Die För­de­rung durch die Bund-Län­der-Initia­ti­ve ‚Inno­va­ti­ve Hoch­schu­le‘ gibt uns im regio­na­len Ver­bund die Möglick­eit zu zei­gen“, so Prof. Dr. Franz Quint, Pro­rek­tor für For­schung, Koope­ra­tio­nen und Qua­li­täts­ma­nage­ment der HKA, „wel­che Inno­va­ti­ons­mo­to­ren die Hoch­schu­len in enger Ver­bin­dung mit Unter­neh­men und Zivil­ge­sell­schaft sein kön­nen, um inno­va­ti­ve Mobi­li­täts- und Ver­kehrs­kon­zep­te zu ent­wi­ckeln, unter Betei­li­gung der Bevöl­ke­rung bei­spiels­wei­se durch Real­la­bo­re in der Pra­xis zu erpro­ben und über unter­schied­li­che For­ma­te zu kom­mu­ni­zie­ren und so künf­tig für eine noch schnel­le­re und ziel­ge­rich­te­te Umset­zung in die Pra­xis zu sor­gen. Letzt­end­lich wer­den wir über das Pro­jekt den Tech­no­lo­gie­trans­fer in der Ober­rhein­re­gi­on zwi­schen Hoch­schu­len, Wirt­schaft und Gesell­schaft nach­hal­tig beför­dern und eine eige­ne Trans­fer­kul­tur schaffen.“

Prof. Dr. Tho­mas Sei­fert, Pro­rek­tor For­schung und Trans­fer der Hoch­schu­le Offen­burg, sagt: „Es tut uns Hoch­schu­len gut, wenn wir uns wei­ter als bis­lang für den Aus­tausch mit der Gesell­schaft öff­nen. Dazu gehört, dass wir For­schungs­pro­jek­te über­all dort beglei­ten, wo Lösun­gen benö­tigt wer­den, also in Real­la­bo­ren vor Ort. Umge­kehrt möch­ten wir Unter­neh­men, Kom­mu­nen und gesell­schaft­li­che Initia­ti­ven ver­stärkt ein­la­den, die For­schungs­in­fra­struk­tur der Hoch­schu­len gemein­sam mit uns zu nut­zen. So ent­steht eine offe­ne und durch­läs­si­ge Infra­struk­tur in unse­rer Regi­on, mit der wir Inno­va­tio­nen för­dern und Fort­schritt ermög­li­chen können.”

Die Bund-Län­der-Initia­ti­ve zur För­de­rung des for­schungs­ba­sier­ten Ideen‑, Wis­sens- und Tech­no­lo­gie­trans­fers – „Inno­va­ti­ve Hoch­schu­le“ – wur­de im Som­mer 2016 von den Regie­rungs­chefin­nen und ‑chefs von Bund und Län­dern beschlos­sen. Sie soll Hoch­schu­len dar­in unter­stüt­zen, sich im Leis­tungs­be­reich Trans­fer und Inno­va­ti­on, der auch als „drit­te Mis­si­on“ der Hoch­schu­len – neben For­schung und Leh­re – bezeich­net wird, zu pro­fi­lie­ren und ihre stra­te­gi­sche Rol­le im regio­na­len Inno­va­ti­ons­sys­tem zu stär­ken. Die För­der­initia­ti­ve wird in zwei Aus­wahl­run­den durch­ge­führt. Für die zwei­te För­der­run­de wur­den ins­ge­samt 55 Hoch­schu­len in 16 Ein­zel- und 13 Ver­bund­vor­ha­ben zur För­de­rung aus­ge­wählt. Dar­un­ter sind 39 Fach­hoch­schu­len bzw. Hoch­schu­len für Ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten, 3 Kunst- und Musik­hoch­schu­len sowie 13 Uni­ver­si­tä­ten und Päd­ago­gi­sche Hoch­schu­len. Ins­ge­samt stel­len Bund und Län­der für die zwei­te För­der­run­de bis zu 285 Mil­lio­nen Euro zur Ver­fü­gung. Unter den 165 antrag­stel­len­den Hoch­schu­len befan­den sich 110 Fach­hoch­schu­len, 42 Uni­ver­si­tä­ten und Päd­ago­gi­sche Hoch­schu­len sowie 13 Kunst- und Musikhochschulen.

Bei­trags­bild: Skiz­ze für das Ver­bund­pro­jekt move.mORe – Gra­fik: Jens Hahn
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