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Aus­grün­dung nach Coa­ching­pro­gramm: Gespräch mit dem Bio-Tech Start-up IdentMe

MiMi.JunJun.2021202120212021
Ann Sophie Henne

Der Trans­fer- und Grün­der­ser­vice der Mar­tin-Luther-Uni­ver­si­tät Hal­le-Wit­ten­berg unter­stützt Stu­die­ren­de, Wissenschaftler*innen und ange­hen­de Gründer*innen bei der Rea­li­sie­rung von Unter­neh­mens­grün­dun­gen und Inno­va­ti­ons­vor­ha­ben. Nach erfolg­rei­chem Durch­lau­fen eines 100-tägi­gen Inten­siv­coa­ching-Pro­gramms im letz­ten Jahr hat sich so das Start-up „Ident­Me“ zu einer GmbH aus­ge­grün­det. Im Inter­view erzählt Mit-Grün­de­rin Patri­cia Holm, was hin­ter Ident­Me steckt und inwie­fern die „100-Tage-Chal­len­ge“ das inter­dis­zi­pli­nä­re Team, das zuvor ein Grün­dungs­pro­jekt an der Hoch­schu­le Anhalt rea­li­siert hat, unter­stüt­zen konnte.

Ident­Me heißt über­setzt „Iden­ti­fi­zier mich“. Was bedeu­tet das in eurem Fall? 

Wir iden­ti­fi­zie­ren ver­bor­gen leben­de Tier­ar­ten anhand der soge­nann­ten Umwelt-DNA (eDNA). Das ist DNA, die die Tie­re durch Haut- oder Schleim­zel­len, Aus­schei­dun­gen oder bei der Fort­pflan­zung an ihre Umge­bung abge­ben. Das funk­tio­niert beson­ders gut mit aqua­ti­schen Arten, da man hier ein­fach eine Was­ser­pro­be aus dem jewei­li­gen Gewäs­ser ent­neh­men kann und dann die im Was­ser ent­hal­te­ne Umwelt-DNA mit mole­ku­lar­bio­lo­gi­schen Metho­den im Labor untersucht.

Für wel­che Berei­che und Bran­chen ist die­ser Ansatz relevant? 

Mit unse­rer Metho­de kön­nen wir bestimm­te gesetz­lich geschütz­te Arten detek­tie­ren, aber auch inva­si­ve (= nicht ein­hei­mi­sche und schäd­li­che) Spe­zi­es und Krank­heits­er­re­ger iden­ti­fi­zie­ren. Das ist einer­seits für den Bau­sek­tor wich­tig, da schon des Öfte­ren das eine oder ande­re geschütz­te Tier ein Bau­pro­jekt gestoppt oder gar ganz ver­hin­dert hat. Ande­rer­seits müs­sen auch Umwelt­be­hör­den und Natur­schutz­äm­ter über das Vor­kom­men von bestimm­ten Arten Bescheid wis­sen und regel­mä­ßi­ge Berich­te dar­über an die EU weiterleiten.

Wel­che Vor­tei­le bie­tet dabei der mole­ku­lar­bio­lo­gi­sche Arten­nach­weis, den ihr macht?

Der mole­ku­lar­bio­lo­gi­sche Arten­nach­weis kann, im Ver­gleich zu den tra­di­tio­nel­len Nach­weis­me­tho­den (z.B. Sich­ten, Fan­gen, Ver­hö­ren), zeit- und kos­ten­spa­rend durch­ge­führt wer­den, lie­fert siche­re Ergeb­nis­se und ist unab­hän­gig von äuße­ren Fak­to­ren, wie z.B. der Wet­ter­la­ge oder der Tages­zeit (z.B. müs­sen andern­falls vie­le Amphi­bi­en bei Nacht gesucht wer­den). Außer­dem kön­nen Eier und Lar­ven genau bestimmt wer­den und auch ver­steckt leben­de Tie­re, die man nicht sieht, wer­den detek­tiert. Kurz gesagt: der mole­ku­lar­bio­lo­gi­sche Arten­nach­weis kann das Unsicht­ba­re auf effek­ti­ve Art und Wei­se sicht­bar machen.

Im Zuge eines Inten­siv­coa­chings des Trans­fer- und Grün­der­ser­vice der Uni Hal­le seid ihr mit eurem Grün­dungs­pro­jekt einen gro­ßen Schritt wei­ter gekom­men. Wel­che Zie­le habt ihr euch dabei zu Beginn gesetzt?

Wir haben uns zwei Kern­zie­le für die 100-Tage-Chal­len­ge gesetzt. Das war zum einen, uns in betriebs­wirt­schaft­li­chen The­men wei­ter­zu­bil­den, und zum ande­ren, durch Work­shops im Mar­ke­ting und Ver­trieb geschult zu wer­den. Das konn­ten wir auch errei­chen und haben mitt­ler­wei­le sogar die Ident­Me GmbH gegründet.

Wel­che Ver­an­stal­tun­gen und Tools haben euch bei der Umset­zung beson­ders geholfen? 

Sehr prak­tisch war die Arbeit mit dem Tool „con­cept­board”. Dadurch konn­ten ver­schie­de­ne Team­mit­glie­der par­al­lel an den glei­chen Auf­ga­ben arbei­ten und die Coa­ches direkt nütz­li­che Tipps und Hin­wei­se an den erar­bei­te­ten Ergeb­nis­sen schrift­lich fest­hal­ten. Was die Ver­an­stal­tun­gen angeht, waren die Grün­der­nacht­schich­ten des Trans­fer- und Grün­der­ser­vice zu diver­sen The­men und mit ver­schie­de­nen Coa­ches sehr hilf­reich. Danach ist man zwar hun­de­mü­de ins Bett gefal­len, aber die Stun­den der pro­duk­ti­ven Zusam­men­ar­beit haben sich auf jeden Fall gelohnt.

Was habt ihr in die­sen 100 Tagen für euch per­sön­lich mitgenommen?

Sowohl in der Zeit vor als auch nach der Grün­dung macht man oft zwei Schrit­te vor­wärts, um dann wie­der einen Schritt zurück­zu­ge­hen, die Per­spek­ti­ve zu wech­seln, den Fahr­plan oder eine Ent­schei­dung anzu­pas­sen. Fle­xi­bel und mutig zu sein ist wich­tig in der Anfangs­zeit, denn es lohnt sich!

Wie geht es euch heu­te, nach­dem ihr das Coa­ching-Pro­gramm ja schon seit eini­gen Mona­ten abge­schlos­sen habt? 

Inzwi­schen konn­ten wir unse­re Fir­ma Ident­Me GmbH grün­den, haben einen Miet­ver­trag für ein eige­nes Labor unter­schrie­ben und freu­en uns über die ers­ten Auf­trä­ge zur Ana­ly­se von Umwelt-DNA. Unse­re Coa­ches der 100-Tage-Chal­len­ge hal­ten für uns trotz­dem noch Augen und Ohren offen und lei­ten uns nütz­li­che Infos und Hin­wei­se zu poten­zi­el­len Pro­jek­ten und Auf­trä­gen wei­ter. Das ist eine klas­se Betreu­ung, sogar über den Abschluss der 100-Tage-Chal­len­ge hinaus!

Vie­len Dank für das Gespräch und wei­ter­hin viel Erfolg für alles, was noch kommt!

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Wer neu­gie­rig gewor­den ist und mehr über die Arbeit der Ident­Me GmbH erfah­ren möch­te, kann ger­ne auf deren Web­sei­te vor­bei­schau­en: https://ident-me.com/
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur 100-Tage-Chal­len­ge des Trans­fer- und Grün­der­ser­vice der Uni Hal­le gibt es hier: https://startupacademy.transfer.uni-halle.de/kurse/100-tage-challenge-264/ 

 

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