News

„5 für Trans­fer“ – Inter­view mit Dr. Dani­el Schu­bert vom DLR

Fünf Fra­gen, fünf Ant­wor­ten. Die Inter­view-Rei­he aus der WTT-Com­mu­ni­ty. IQIB (Insti­tut für qua­li­fi­zie­ren­de Inno­va­ti­ons­for­schung & ‑bera­tung) fragt nach bei Praktiker*innen aus dem WTT. Leben­di­ge Berich­te über Trans­fer­pro­jek­te und Les­sons Learned. 

Inter­view mit Dr. Dani­el Schu­bert, Deut­sches Insti­tut für Luft- und Raum­fahrt (DLR), Insti­tut für Raum­fahrt­sys­te­me, Sys­tem­ana­ly­se Raum­seg­ment, Grup­pen­lei­ter der EDEN-Initiative

 

FRAGE 1

IQIB: Wel­ches Trans­fer­vor­ha­ben möch­ten Sie vorstellen?


Dani­el Schu­bert:
Ich möch­te das MEPA-Pro­jekt etwas genau­er vor­stel­len. MEPA steht für Mobi­les Entfalt­ba­res Pflan­zen-Anbau­sys­tem. Das Sys­tem des DLR ermög­licht es, fri­sche Nah­rung in huma­ni­tä­ren Not­si­tua­tio­nen zu pro­du­zie­ren und kann zum Bei­spiel in Flücht­lings­la­gern betrie­ben wer­den. Das “Mini­mal­sys­tem” bie­tet eine sie­ben Qua­drat­me­ter gro­ße Auf­zucht­flä­che und soll pro Ern­te­zy­klus, am Bei­spiel Salat­an­bau, in den rund fünf bis sechs Wochen einen Ertrag von 85 Salat­köp­fen mit rund 42 Kilo­gramm ein­brin­gen. Es basiert auf Hydro­kul­tur und ist mit einer auto­ma­ti­sier­ten Unter­stüt­zungs­ein­heit aus­ge­stat­tet, die solar­be­trie­ben ist.

Das MEPA-Pro­jekt ist 2019 als Trans­fer­pro­jekt aus einem Ter­res­tri­schen Spin-off Pro­gramm unse­res EDEN ISS-Pro­jekts her­vor­ge­gan­gen. Die EDEN-For­schungs­grup­pe betreibt seit Anfang 2018 eine expe­ri­men­tel­le Gewächs­haus­an­la­ge in der Nähe der Neu­may­er Sta­ti­on III des Alfred-Wege­ner-Insti­tuts in der Ant­ark­tis. Dort tes­ten wir in einem semi-geschlos­se­nen Gewächs­haus­sys­tem unter mars-/mond­ähn­li­chen Bedin­gun­gen Tech­no­lo­gien und Pro­zes­se als Vor­be­rei­tung für einen Lang­zeit­auf­ent­halt von Men­schen auf Mond oder Mars. Es geht aber nicht nur dar­um, die Missionsteilnehmer*innen mit fri­schem Gemü­se zu ver­sor­gen. Ein wei­te­res Ziel ist es, psy­cho­lo­gi­sche Sta­bi­li­tät in einer voll­stän­dig tech­ni­sier­ten Umge­bung zu gewährleisten.

MEPA Feld­an­ord­nung. Die mobil ent­falt­ba­ren Pflan­zen­an­bau­ein­hei­ten (MEPA) können
indi­vi­du­ell oder für grö­ße­re Gemein­schaf­ten als Fel­der ange­ord­net bewirt­schaf­tet werden.

Gemein­sam ist bei­den Pflan­zen-Kul­ti­vie­rungs­pro­jek­ten, dass sie kei­ne Erde benö­ti­gen. Wäh­rend wir bei MEPA Hydro­po­nik nut­zen, arbei­ten wir bei EDEN ISS aller­dings mit Aero­po­nik. Bei Aero­po­nik hän­gen die Wur­zeln der Pflan­zen in der Luft und wer­den alle fünf Minu­ten ange­sprüht. Im MEPA Pro­jekt ste­cken die Wur­zeln der Pflan­zen im Was­ser. Die Nähr­stoff­ver­sor­gung läuft eine Mat­te, in die Kanä­le ein­ge­schweißt sind, durch die im Zehn-Minu­ten-Takt com­pu­ter­ge­steu­ert über klei­ne Pum­pen Nähr­stoff­lö­sung fließt. Wir wol­len MEPA nun durch ein sich selbst auf­bla­sen­des Gewächs­haus­zelt ergän­zen. Bis­her ist MEPA ein offe­nes Sys­tem, das kom­plett in frei­er Natur steht. Die­ses Gewächs­haus­zelt wol­len wir ab Früh­jahr 2022 im Rah­men des BMBF-Pro­jekts „Rapid Food“ gemein­sam mit unse­ren deut­schen Unter­neh­mens­part­ner (heim­pla­net GmbH, Inte­gar GmbH) wei­ter­ent­wi­ckeln. Dar­über freu­en wir uns sehr, denn das Pro­jekt ermög­licht es uns, MEPA für wei­te­re zwei Jah­re fort­zu­füh­ren. Ermög­licht wird dies im Rah­men der Stra­te­gie der Bun­des­re­gie­rung zur Inter­na­tio­na­li­sie­rung von Bil­dung zur För­de­rung von For­schungs­pro­jek­ten mit Tune­si­en unter der Betei­li­gung von Wis­sen­schaft und Wirt­schaft (TUNGER 2+2). Auf tune­si­scher Sei­te sind eben­falls ein For­schungs­in­sti­tut und ein Unter­neh­men betei­ligt. Wir pla­nen außer­dem, im MEPA-Sys­tem Was­ser­rück­ge­win­nung zu ermög­li­chen, um somit einen wei­te­ren Kreis­lauf schlie­ßen zu kön­nen. Auf einen ener­gie­in­ten­si­ven Ein­bau von LED-Gerä­ten ver­zich­ten wir zunächst und nut­zen statt­des­sen Son­nen­licht. Lang­fris­tig stre­ben wir mit dem MEPA-Sys­tem eine Aus­grün­dung an.

 

FRAGE 2

IQIB: Wel­che Ziel­set­zung hat das Vorhaben?

 

Dani­el Schu­bert: Ziel des MEPA-Pro­jekts ist die Ent­wick­lung eines kos­ten­güns­ti­gen, modu­la­ren und schnell trans­por­tier­ba­ren Gewächs­haus­sys­tems für den Ein­satz in huma­ni­tä­ren Hilfs­mis­sio­nen. Das Sys­tem wird vor­aus­sicht­lich Mit­te nächs­ten Jah­res in einem Flücht­lings­la­ger in Jor­da­ni­en erst­ma­lig zum Ein­satz kom­men. Wir arbei­ten zusam­men mit dem UN World Food Pro­gram­me, ADRA (NGO), Plan Inter­na­tio­nal (NGO) und dem Tech­ni­schen Hilfs­werk zusam­men. Da MEPA kei­ne Erde zur Kul­ti­vie­rung von Pflan­zen benö­tigt, kann es auch in Flücht­lings­la­gern betrie­ben wer­den, in denen Acker­bau ver­bo­ten ist. Die­se häu­fig vor­kom­men­de Rege­lung soll sei­tens der Gast­län­der ver­hin­dern, dass aus­län­di­sche Flücht­lin­ge den Sta­tus von Sied­lern bekom­men. Zudem könn­te durch MEPA das oft ein­sei­ti­ge Nah­rungs­mit­tel­an­ge­bot durch fri­sche Lebens­mit­tel mit hohem Was­ser­ge­halt, zum Bei­spiel Salat oder Toma­ten, ergänzt wer­den. Tech­nisch wäre es auch mög­lich, dass die Flücht­lin­ge selbst ent­schei­den, wel­che Pflan­zen sie anbau­en möch­ten. Das kann sich bis hin zu einem klei­nen Schre­ber­gar­ten für jede Fami­lie ent­wi­ckeln. Viel­leicht wür­de sogar ein klei­ner Markt ent­ste­hen. Neben den bel­glei­ten­den posi­ti­ven psy­cho­lo­gi­schen Effek­ten kann ein wei­te­rer posi­ti­ver Aspekt sein, dass im Gast­land weni­ger Kon­flik­te um die Ver­tei­lung der Ern­te der Bau­ern vor Ort entstehen.

 

FRAGE 3

IQIB: Wel­che ist Ihre Rol­le im Vorhaben?

 

Dani­el Schu­bert: Ich habe 2011 den Anschub zur EDEN-Initia­ti­ve gege­ben und bin Grup­pen­lei­ter eines Teams aus vier fest­an­ge­stell­ten Mit­ar­bei­tern und zwei Gast­wis­sen­schaft­lern. Inzwi­schen umfasst die EDEN-Initia­ti­ve meh­re­re Pro­jek­te.  Mein Arbeits­schwer­punkt liegt aktu­ell weni­ger im Bereich For­schung. Ich küm­me­re mich mitt­ler­wei­le vor­ran­ging um Con­trol­ling, Bud­gets und Organisation.

Schon wäh­rend mei­nes Stu­di­ums zum Wirt­schafts­in­ge­nieur hat­te ich mich auf Raum­fahrt spe­zia­li­siert, Diplom- und Dok­tor­ar­beit hat­ten die­sen Fokus. Hier am Insti­tut habe ich aller­dings zunächst als Kos­ten­in­ge­nieur gear­bei­tet, woll­te aber lie­ber an einem eige­nen Pro­jekt arbei­ten. Hydro­po­nik hat mich schon immer fas­zi­niert, außer­dem inter­es­siert mich die Sym­bio­se zwi­schen Natur und Mensch – und ich bin sehr tech­ni­kaf­fin. Schließ­lich lern­te ich Wis­sen­schaft­ler von der NASA ken­nen, die an ähn­li­chen Pro­jek­ten arbei­te­ten. So kam schließ­lich die Idee zum EDEN-Pro­jekt zustan­de, rich­tig los ging es dann mit EDEN ISS.

 

FRAGE 4

IQIB: Wel­che Chan­cen und Hemm­nis­se sehen Sie?

 

Dani­el Schu­bert: Zu den Chan­cen zählt sicher­lich, dass im März 2020 im DLR offi­zi­ell die Road­map für die Ent­wick­lung bio­re­ge­ne­ra­ti­ver Lebens­er­hal­tungs­sys­te­me vor­ge­stellt wur­de. Außer unse­rem Insti­tut sind noch drei wei­te­re Insti­tu­te an der Road­map betei­ligt: Das Insti­tut für Luft- und Raum­fahrt­me­di­zin (Köln), das Insti­tut für Robo­tik und Mecha­tro­nik (Ober­pfaf­fen­ho­fen) und das Insti­tut für Daten­wis­sen­schaf­ten (Jena). Mit die­ser Road­map wur­den die Zie­le für die nächs­ten zehn Jah­re zu Papier gebracht und unse­re Tech­no­lo­gie zählt nun zu den Kern­tech­no­lo­gien des Insti­tuts. Als nächs­ter Schritt soll ein Demons­tra­tor gebaut wer­den. Die­ser wird spä­ter in ein Raum­fahrt­mo­dul umge­wan­delt und kann dann auf dem Mond als Gewächs­haus in ein Habi­tat inte­griert wer­den. Par­al­lel dazu gibt es ver­schie­de­ne ter­res­tri­sche Aus­kop­pe­lun­gen, eine davon ist MEPA. Ein ande­res Pro­jekt ist Ver­ti­cal Far­ming, ein Bereich, in dem wir sehr gut in der Com­mu­ni­ty ver­netzt sind. Vie­le mei­ner ehe­ma­li­gen Stu­den­ten arbei­ten in Ver­ti­cal Far­ming-Start-Ups. Aus die­sem Bereich gibt es im Rah­men des Tech­no­lo­gie­trans­fers vie­le Spin-In und Spin-Off-Effek­te in unse­re For­schungs­pro­jek­te. Unser EDEN ISS-Modul in der Ant­ark­tis ist mit 13qm Anbau­flä­che zwar deut­lich klei­ner als ein Ver­ti­cal Far­ming-Pro­jekt, aber wir sind tech­nisch mit geschlos­se­nen Luft- und Was­ser­kreis­läu­fen einen Schritt vor­aus. Lang­fris­tig kön­nen wir uns vor­stel­len, dass Erkennt­nis­se unse­rer For­schung auch in den Bereich Ver­ti­cal Far­ming diffundieren.

Ein aktu­el­les Hemm­nis für unse­re Pro­jekt ist sicher­lich, dass uns For­schungs­ka­pa­zi­tä­ten und Per­so­nal feh­len – ins­be­son­de­re auch im Trans­fer­be­reich. Um schlag­kräf­ti­ger zu wer­den bräuch­ten wir eine Ver­vier­fa­chung des Per­so­nals. Ein wei­ters Hemm­nis ist, dass es bis­her wenig Unter­stüt­zung für unse­re Idee gibt, mit dem MEPA-Sys­tem eine Aus­grün­dung zu etablieren.

 

FRAGE 5

IQIB: Wel­che Les­sons Lear­ned gibt es aus Ihrer Sicht?

 

Dani­el Schu­bert: Wir brau­chen in der For­schung mehr Risi­ko­be­reit­schaft, weni­ger Büro­kra­tie und eine ande­re, fle­xi­ble­re und schnel­le­re Ver­tei­lung der Gel­der. Hilf­reich wäre der Busi­ness-Angel-Ansatz: Man inves­tiert in zehn jun­ge Unter­neh­men und ris­kiert, dass acht davon plei­te­ge­hen – aber zwei star­ten rich­tig durch, wodurch sich der Ein­satz letzt­end­lich ren­tiert. Ziel­füh­rend für neue und inno­va­ti­ve (out-of-the-box) The­men, die viel­leicht nicht hun­dert­pro­zen­tig in die For­schungs­pla­nung pas­sen, wären bei­spiels­wei­se klei­ne, unab­hän­gi­ge For­schungs­grup­pen mit eige­ner Bud­get­ver­ant­wort­lich­keit. Mit der Unter­stüt­zung von For­schungs­the­men im Sin­ne von Blue Sky Rese­arch hat das DLR gera­de den Weg in die­se Rich­tung eingeschlagen.

Wich­tig ist es auch, Unter­stüt­zung am eige­nen Insti­tut zu bekom­men, gera­de am Anfang. Ich hat­te das Glück, dass mein Abtei­lungs­lei­ter und der Insti­tuts­lei­ter mei­ne Idee stark unter­stützt und die Anfangs­fi­nan­zie­rung des Labors sicher­ge­stellt haben. Im wei­te­ren Ver­lauf muss­ten wir die Pro­jek­te dann aller­dings eher müh­sam über Dritt­mit­tel finan­zie­ren; EDEN ISS zum Bei­spiel im Rah­men des EU-Pro­gramms Hori­zont 2020. Es hat lan­ge gedau­ert, bis wir hier am Insti­tut, des­sen eigent­li­ches Ziel es ist, Satel­li­ten und Rake­ten­ober­stu­fen zu kon­zi­pie­ren, ernst genom­men wur­den. Wir muss­ten intern viel Über­zeu­gungs­ar­beit leis­ten und haben des­we­gen viel Out­re­ach gemacht. So geben wir als For­schungs­grup­pe zum Bei­spiel seit 2014 eigen­in­itia­tiv kon­ti­nu­ier­lich einen Jah­res­be­richt mit Kenn­zah­len, Bud­gets und Publi­ka­tio­nen her­aus. Letzt­lich war es ein klas­si­scher Bot­tom UP-Approach.

 

IQIB: Vie­len Dank, dass Sie sich Zeit für die Vor­stel­lung die­ser inter­es­san­ten For­schungs­the­men genom­men haben.

 

Möch­ten Sie jeman­den für die Inter­view-Rei­he vor­schla­gen oder selbst über ein Pro­jekt berich­ten? Dann schrei­ben Sie eine E‑Mail an Redaktion@fokustransfer.

 

Highlight-#Technologie: Mit dem #Smartphone Zusatzinfos z.B. von Anzeigentafeln an Bahnhof / Flughafen abrufen: Mit #Erfindung @TU_Dortmund werden digitale Bild- / Videoanzeigen mit dynamischen 2D-Codes versehen, die einfach abzurufen sind.
#TechOffer: http://bit.ly/PROvendis_5392_DE

Zur Verstärkung unseres EEN-Teams suchen wir ab 01.01.2022 einen

Berater/Consultant (m/w/d) Innovation und Internationalisierung

https://tutech.de/berater-consultant-m-w-d-innovation-und-internationalisierung/

#Hamburg #Stellenausschreibung #Job

Die Entdeckung des #Insulin|s
Die chronische #Stoffwechselerkrankung #Diabetes mellitus, bekannt als #Zuckerkrankheit, konnte erstmalig 1921 behandelt werden.
Ein Jahr100Wissen-Interview mit Prof. Dr. Martin Simon, @Uni_Wuppertal
#transfer #wisskomm
https://www.uni-wuppertal.de/de/transfer/wissenschaftskommunikation/jahr100wissen/jahr100wissen-in-2021/die-entdeckung-des-insulins

Vielen Dank, an unsere #Follower bei #LinkedIn sowie die großartige #Transfer #Community & deren #Engagement🥳

Sie sind im #Techtransfer o #Wissenstransfer, arbeiten mit #Ausgründungen & #Startups, im #Innovationmanagement...
Dann folgen Sie uns ebenfalls
https://www.linkedin.com/company/transferallianz

Ein neues Steuersystem für Drohnen ermöglicht den Aufstieg und die Landung bei nicht horizontalen oder beweglichen Oberflächen. Etwa Bergen, Schiffe oder anderen Fahrzeugen. https://www.tlb.de/technologieangebote/19-032tlb

In unserer erfreulich wachsenden & zunehmend heterogen aufgestellten #Community wollen wir persönliches #Engagement weiter stärken & alle unsere Mitglieder ermutigen sich im #Verein aktiv einzubringen, um den Wissens- & #Technologietransfer in Deutschland mitzugestalten
#transfer

Load More...
userchevron-up
Loading..